BLICK IN DEN WERKZEUGKOFFER

26 August 2015

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Ohne das richtige Handwerkszeug kommt selbst der beste Friseur nicht sehr weit. Denn irgendwie muss er die Haare seiner Kunden ja effilieren, pointen, slicen, graduieren, färben, stylen... Um all diese Techniken an den Köpfen der erwartungsvollen Kunden anwenden zu können und ihrem Anspruch gerecht zu werden, braucht es professionelle Werkzeuge, die den Friseur in seiner Arbeit optimal unterstützen. Worauf es dabei ankommt, erklärt Michele Grasso mit einem Blick in seinen Werkzeugkoffer. 

  

Herr Grasso, als gefragter Creative Director sind Sie viel unterwegs. Wo waren Sie zuletzt?

MICHELE GRASSO.: Ich war vor kurzem als Creative Director auf den Fashionshows in London und Mailand unterwegs. Mein absolutes Highlight war aber meine Reise mit der Crew von John Richmond, wo ich dem Designer Osman backstage zur Seite stand. Ich liebe es, zu reisen, neue Menschen und vor allem ihre Inspirationen für ihre Kollektionen oder Arbeiten kennenlernen zu dürfen. Durch die vielen unterschiedlichen Kulturen erfahre ich täglich neue Trends und treffe kreative Leute, mit denen ich meine Leidenschaft für das 'Haar'-werk teile und die mich selbst inspirieren.

Welche Tools haben Sie generell in Ihrem Repertoire und was macht sie zu Ihren ständigen Wegbegleitern?

M. G.: Natürlich sind Basics wie etwa Lockenstab, Glätteisen und Föhn absolute Must-Haves und unabdingbar für meine tägliche Arbeit als Friseur und Session-Stylist. Außerdem sind verschiedene Bürsten – vor allem Naturhaarbürsten mit Synthetikanteil, unzählige Haarnadeln sowie etliche Haargummis in meinem Friseurkoffer zu finden und gehören genauso zu meiner Grundausstattung wie die Elektrogeräte. 

Welches Tool hat Sie besonders überrascht, als Sie zum ersten Mal damit gearbeitet haben? 

M. G.: Sehr überrascht war ich von Naturhaarbürsten – wie toll man mit ihnen arbeiten kann und welche Ergebnisse sich damit erzielen lassen: Geschmeidigkeit, Glanz, sie schonen die Schuppenschicht und entwirren super – ein- fach ein Traum! Ich hatte mich schon in den 80er Jahren einmal an ihnen ver- sucht, damals war ich aber nicht so be- geistert. Jetzt dafür umso mehr! Ich habe natürlich in meiner Karriere viele Tools ausprobiert und für Firmen testen dürfen, aber wie jeder Künstler habe auch ich ein paar Lieblingstools. Wer mich kennt und mir gerne mal über die Schulter schauen möchte, wird schnell erkennen, dass es aber vor allem auf Profi-Equipment an- kommt. Backstage bei Fashionshows bleibt nichts dem Zufall überlassen, und so ist es essenziell, Tools und Ge- räte in seinem Koffer zu haben, auf die man sich zu 100% verlassen kann. Egal ob in London, New York oder Mumbai – die Sachen müssen funktionieren. 

Haben Sie einen Tipp für Friseure, die auf der Suche nach gutem Werkzeug sind? Was ist dabei zu beachten? 

M. G.: Wie gesagt, wichtig ist es, pro- fessionelle Tools zu benutzen, etwa bei Glätteisen, Föhnen und Lockenstä- ben. Aus einem einfachen Grund sind professionelle Tools ihre Anschaffung wert: Wenn man bedenkt, dass diese den ganzen Tag in Betrieb sind und das im Idealfall mehrere Jahre, leuchtet es ein, dass Qualität hier an erster Stelle stehen sollte. Außerdem ist ein Ausfall der Tools vor den Kunden ein absolutes No-Go, und dieses Risiko sollte von vornherein eingeschränkt werden. 

Können Sie noch einen Tipp speziell zu Scheren geben?

M. G.: Das wichtigste Werkzeug für Friseure ist – und das mit Abstand – die Schere. Schließlich verbringen die Haarkünstler die meiste Zeit damit, ihren Kunden die Haare zu schneiden. Daher geben Kenner oft Hunderte, ja sogar rund 1.000,- € für eine einzelne Schere aus. Einen absoluten Favoriten unter den Scheren gibt es aber nicht; fragt man zehn Stylisten, welche Sche- re ihr Favorit ist, bekommt man zehn unterschiedliche Antworten. Neben all den Scheren-Varianten gibt es noch eine Menge anderer Schneide-Tools, die ein Friseur besitzen sollte, um den Kunden Services wie etwa Trimmen, Ausdünnen und Formen bieten zu kön- nen. Unter Schneide-Tools fallen neben der normalen Schere auch noch Scheren zum Ausdünnen, Clipper und Shaping Razor.

Herr Grasso, welches sind Ihre absoluten Favoriten unter den Schneidewerkzeugen?

M. G.: Ich bin ein Fan von japanischen Produkten. Die Scheren sind handgefertigt und maßgeschneidert für den individuellen Anspruch. Mein Tipp auch hier: Qualität ist das A und O! Man darf nie vergessen, dass man als Friseur eine sehr lange und erfolgreiche Karriere haben kann, und da lohnt es sich, das beste Werkzeug zu nutzen, das es gibt. Die Schere hat man immerhin 40 Jahre in der Hand, und das hinterlässt Spuren. 

Haben Sie einen Styling-Geheimtipp für unsere Leser?

M. G.: Natürlich, gerne! Für schöne Wellen ohne viel Aufwand im Salonalltag einfach die trockenen Haare mit einer guten Portion Sea Salt Spray an- feuchten und locker durchkämmen. Dann die Haare in diagonal nach hinten verlaufende, lockere Partien aufteilen und mit einer großen Naturhaar-Rund- Bürste aufnehmen. Sobald die Haare bei mittlerer Föhnhitze anfangen zu trocknen, die Strähne mit der Bürste twisten und um die Bürste legen. Ein- fach kurz auskühlen lassen und voilà fertig ist die perfekte Beachwave. Ihre Kundinnen werden es lieben! Eine Sache habe ich noch – Ordnung ist das halbe Leben, daher ist es unabdingbar, diszipliniert zu sein. Gerade zwischen den Shows erfordern die schnellen Wechsel zwischen den Designern maximale Disziplin. Wich- tig ist auch die Pflege der Tools. Nach jeder Anwendung werden diese gereinigt und Kabel mit speziellen Bindern wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand gebracht. Das dient nicht zuletzt auch der Sicherheit, man minimiert das Risiko, sich zu verletzen, und natürlich halten die guten Werk- zeuge dann auch gleich wesentlich länger. 

 

 

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